So können unsere Bedürfnisse unsere Wahl beeinflussen

Jede Wahl ist mehr als eine politische Entscheidung – sie spiegelt unsere Bedürfnisse wider. Sicherheit oder Wandel, Stabilität oder Fortschritt? Unsere Präferenzen in der Politik werden nicht nur durch Fakten und Programme bestimmt, sondern auch durch psychologischen Grundbedürfnisse. Doch welche Bedürfnisse sind tief in uns verankert, und welche sind durch unser Umfeld geprägt?

Es gibt verschiedene Modelle, die unsere Bedürfnisse systematisieren. Zwei der bekanntesten Konzepte sind Maslows Bedürfnispyramide und die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan.

 

Maslows Bedürfnispyramide

Abraham Maslow unterteilte menschliche Bedürfnisse in eine hierarchische Struktur:

  • Grundbedürfnisse: Physiologische Bedürfnisse (Essen, Schlaf) und Sicherheit (Schutz, Stabilität).

  • Psychologische Bedürfnisse: Soziale Zugehörigkeit (Freundschaft, Familie), Wertschätzung (Status, Anerkennung).

  • Wachstumsbedürfnisse: Selbstverwirklichung, Entwicklung neuer Potenziale.

Bezug zur Wahl: Menschen mit starkem Sicherheitsbedürfnis neigen dazu, Parteien zu unterstützen, die Stabilität und Kontinuität betonen. Wer Selbstverwirklichung und Fortschritt priorisiert, könnte sich eher von innovativen oder reformorientierten Programmen angesprochen fühlen.

 

Deci & Ryans Selbstbestimmungstheorie

Diese Theorie geht davon aus, dass drei universelle psychologische Grundbedürfnisse unser Verhalten steuern:

  • Autonomie: Der Wunsch nach Selbstbestimmung.

  • Kompetenz: Das Gefühl, etwas bewirken zu können.

  • Soziale Eingebundenheit: Das Bedürfnis nach Gemeinschaft.

Bezug zur Wahl: Wer ein hohes Autonomiebedürfnis hat, könnte Parteien bevorzugen, die individuelle Freiheit betonen. Menschen mit starker sozialer Eingebundenheit tendieren eher zu Parteien, die Gemeinschaftsgefühl und sozialen Zusammenhalt stärken.

 

Es ist außerdem sinnvoll, zwischen Grundbedürfnissen, individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Bedürfnissen zu unterscheiden:

  • Grundbedürfnisse: Universell und tief verankert (z.B. Sicherheit, Zugehörigkeit, Autonomie).

  • Individuelle Bedürfnisse: Persönlich geprägt, wandelbar (z.B. Status, Karriere, Abenteuer).

  • Gesellschaftliche Bedürfnisse: Durch Kultur und Zeitgeist beeinflusst (z.B. Klimaschutz, Wohlstandssicherung).

Verwechslung kann zu Fehleinschätzungen führen: Beispielsweise kann das Bedürfnis nach Sicherheit sowohl ein Grundbedürfnis sein (Schutz des eigenen Lebens) als auch ein gesellschaftliches Thema (Sicherheitspolitik).

 

Selbstreflexion: Wie können wir bewusster wählen?

  • Bestandsaufnahme: Welches sind meine wichtigsten Bedürfnisse? Und welche davon steuern meine Wahlentscheidung?

  • 10-10-10-Methode: Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in 10 Minuten, in 10 Monaten und in 10 Jahren?

  • Zielklärung: Was möchte ich durch meine Wahl erreichen?

Wer sich seiner Bedürfnisse bewusst wird, kann fundiertere Entscheidungen treffen. Eine bewusste Wahl bedeutet nicht nur politische Mitbestimmung, sondern auch Selbsterkenntnis.

 

Quellen:

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. Springer.

Maslow, A. H. (1943). A Theory of Human Motivation. Psychological Review, 50(4), 370–396.

Maslow, A. H. (1954). Motivation and Personality. Harper & Row.

Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000). Self-Determination Theory and the Facilitation of Intrinsic Motivation, Social Development, and Well-Being. American Psychologist, 55(1), 68–78.

Welch, S. (2009). 10-10-10: A Fast and Powerful Way to Get Unstuck in Love, at Work, and with Your Family. Scribner.